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Trauerbegleitung


Der Tod mitten im Leben

Der Tod einer geliebten Person kann zu einem tiefen, sehr schmerzlichen Verlusterlebnis führen. Man fühlt sich mitten aus dem Leben herausgerissen. Der Schmerz scheint überwältigend zu sein und außer Traurigkeit bleibt nichts mehr übrig vom Leben. Um einem solch herben Lebensereignis gewachsen zu sein, und nach und nach wieder leben und genießen zu können, haben wir Menschen das Trauergefühl und den Trauerprozess. Dieser gesunde Prozess verläuft in verschiedenen Phasen (Schock- Verleugnung- Annehmen- Rückkehr ins Leben; genaueres siehe Kübler Ross). Doch in unserer modernen Gesellschaft ist "normales, gesundes Trauern" selten geworden. Der Tod ist zum Tabu geworden, aus dem Leben verbannt. Sterben (z.B. ein frühes Sterben an Krebs) heißt Verlieren, als könnte irgendjemand dieser unumgänglichen Tatsache ausweichen, dass alle Menschen, alles Lebendige sterben muss, dass der Tod Teil des Lebens ist. So finden Trauernde kaum Ansprechpartner oder hilfreiche Rituale, die sie im Trauerprozess begleiten.
Für betroffene Menschen, die bisher wenig mit dem Tod konfrontiert wurden, kann der Verlust eines lieben Nahestehenden zum Desaster werden und letztlich -in der Abwehr der Trauer- sogar zu schweren psychischen Störungen wie z.B. Depressionen führen. Die nicht gelebte Trauer hält so Jahre an, der Verlust scheint nicht bewältigbar zu sein.


Begleitung des Prozesses

Zunächst wird der Prozesscharakter des Trauerns verdeutlicht. Viele Trauernde erleben es als sehr entlastend zu hören, dass ein normaler, gesunder Trauerprozess mindestens ein bis zwei Jahre dauert. Der/die Trauernde befindet sich in dieser Phase in einem Ausnahmezustand. Sie können in der Begleitung lernen, in dieser Zeit besonders gut für sich zu sorgen, fürsorglich mit sich selbst zu sein. Man kann lernen, sich von der Unwissenheit vieler Außenstehender, von deren Vorstellungen, wann man wieder zu funktionieren hat, zu lösen und so seinen eigenen Zeitrahmen zu finden. Man kann herausfinden, dass das viele Weinen der ersten Zeit gerade gut und gesund ist. Man kann aber auch ganz langsam und zart der Welt wieder die schönen und genussvollen Seiten abgewinnen. Im Trauern um eine Person geht es vor allem darum, Abschied zu nehmen und loszulassen. Im Prozess des Loslassens ist es sehr wichtig, nach und nach zu begreifen, dass zwar vieles mit dem Verstorbenen weggegangen ist, dass die Liebe aber bleibt, und zwar sowohl die real geteilte Liebe der Vergangenheit, als auch die immer noch aktuelle Liebe des Trauernden. So lernt man, immer besser loszulassen. In der Folge davon werden die eigenen Wünsche und Interessen wieder wach, das eigene Leben will wieder gelebt werden.
Der Dalai Lama empfiehlt Trauernden, die Wünsche der Verstorben zu erfüllen. Das bedeutet, sich auseinander zu setzen mit den Werten und Wünschen des Gestorbenen und dann zu prüfen, was davon umsetzbar ist und ihn so ein Stück weit in das neue Leben mit hineinzutragen.

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