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Behandlung von Adoleszentenkrisen (Pubertätskrisen) und Anpassungsstörungen


Die Adoleszenz markiert den Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein.
Sie ist eine Periode tief greifender körperlicher, geistiger und seelischer Wandlungen, in der Heranwachsende schwierige Entwicklungsaufgaben bewältigen müssen.

Sie entwickeln z. B. ein Bewusstsein eigener, unverwechselbarer Identität, Selbstwertgefühl, Individualität und Autonomie.
Dabei besteht die große Chance, in zunehmender Selbstbewusstheit das charakteristisch Eigene zu entdecken, sich mit seinen Stärken und Schwächen anzunehmen und so die eigene Persönlichkeit weiter auszubilden.

Nicht selten fühlen sich Jugendliche bei der Lösung der anstehenden Entwicklungsaufgaben überfordert und geraten dabei in eine ernst zu nehmende Krise, die die psychische Gesundheit bedrohen kann.
Die dabei immer wieder gestellten kritischen Fragen der jungen Menschen lauten: Wo komme ich her? Wer bin ich eigentlich? Wo ist mein Platz? Was ist der Sinn des Daseins? Ist das Leben überhaupt der Mühe wert - angesichts der Endlichkeit und des Todes?
Mit zunehmender Kritikfähigkeit sucht der Jugendliche seine ganz persönliche Stellungnahme zur Welt und hinterfragt dabei Autoritäten und Wertesysteme.

Wertekrisen können beispielsweise leicht auftreten, wenn die Jugendlichen in unterschiedlichen Lebensbereichen wie Familie, Schule, Freundeskreis, Berufsausbildung, Freizeit ganz unterschiedliche Normen und Werthaltungen vorfinden und deren Unvereinbarkeit entdecken. Diese "Werteverwirrung" kann zur Entwicklung einer No-future- Perspektive bzw. zu einer alles negierenden Grundhaltung bezüglich ethischer Werte führen.
Auch die Frage des Selbstwertes gehört zu den Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz. Da sich der Selbstwert aus den Erfahrungen eigener Kompetenz und Akzeptanz entwickelt, kann es hier zu Krisen kommen, wenn die eigene Kompetenz und Akzeptanz den persönlichen Idealvorstellungen nicht entsprechen.

Als typische Symptome einer Adoleszentenkrise werden in der Pubertät vorübergehend auftretende, teilweise sehr ausgeprägte psychische Veränderungen und Stimmungen bezeichnet, die oft mit auffälligem Verhalten verbunden sind. Die Wahrnehmungsveränderungen in einer Adoleszentenkrise können dabei ein psychoseähnliches Ausmaß erreichen (vgl. Resch, F., Heidelberg 1995)
Neben verschlossenem, abweisendem Verhalten und Aufbegehren, oft verbunden mit Lernschwierigkeiten und Leistungsabfall, kann es zu Alkohol- und Drogenmissbrauch, Delinquenz (Straffälligkeit), Gewaltäußerungen und Kurzschlusshandlungen kommen.

Therapeutischer Zugang
Die Phase der Pubertät ist in mehrfacher Hinsicht Weichen stellend für den weiteren Lebensweg von jungen Menschen. Geraten sie hier in eine Krise, so wäre es fatal, sie sich selbst zu überlassen und dem Risiko der Ausbildung psychischer Erkrankung auszusetzen.
Bei der Behandlung von Jugendlichen mit Adoleszentenkrisen und Anpassungsproblemen geht es zunächst darum, einen tragfähigen Kontakt zum Therapeuten / Behandler herzustellen und eine stabile Therapiemotivation aufzubauen, da die Jugendlichen meist in hohem Maße stimmungslabil sind und als "brüchig" gelten, d.h. zu vorschnellen Behandlungsabbrüchen neigen.

In der annehmenden und wertschätzenden Atmosphäre gilt es dann, im Jugendlichen die Bereitschaft zu festigen, sich auf die Behandlungssituation überhaupt regelmäßig einzulassen und zu kooperieren.
Durch Information und Transparenz wird der Jugendliche in seinem Wunsch bestärkt, über den Ablauf und die Inhalte der einzelnen Sitzungen mitentscheiden zu können und selbst bestimmt zu bleiben.
Mit dem gelingendem Aufbau von Vertrauen, Sicherheit und Verlässlichkeit innerhalb der therapeutischen Beziehung erfolgt dann die zunehmende Bearbeitung vorliegender Entwicklungskonflikte, die den Jugendlichen bisher daran hinderten, seine alterstypischen und situationsgemäßen Aufgaben erfolgreich meistern zu können.

Dies wird u. a. dadurch möglich, dass der Jugendliche angeleitet wird, bisherige positive Selbsterfahrungen ins Zentrum seines Bewusstseins zu rücken und sich hier selbstbewusst mit seinen individuellen Talenten, Interessen, Fähigkeiten und Grenzen wahrzunehmen, anzunehmen und gelten zu lassen.
Diese quasi exemplarischen, positiven Selbsterfahrungen werden bewusst als Maßstab für eine konstruktive Selbstbeachtung wahrgenommen und emotional verankert (vgl. Raumerleben), um sich in der späteren Arbeit immer wieder darauf beziehen zu können und sich als Selbstwert zu finden.

In einem nächsten Schritt liegt die Behandlung beim Einüben wertschätzender Selbstachtung, d.h. der Jugendliche lernt zu unterscheiden, in welchen Situationen er sich selbst durch negative Selbstbeachtung in seinem Wert "vergisst", und wie es ihm möglich ist, die so grundlegend wichtige Selbstbeachtung aktiv durch entsprechende Selbststeuerung beizubehalten. Allmählich baut er so die Fähigkeit einer immer verlässlicheren Selbstregulation in dieser Hinsicht auf. Diese steht in Abhängigkeit, wie er die Verantwortung für sich übernimmt und in welchem Maße er sich darin ernst nimmt. Es ist nicht ausreichend, zu wissen, wie man sich selbst achten kann, viel wertvoller ist es, gehandeltes Wissen aufzubauen, d.h. die Motivation zu stärken dieses Wissen auch anzuwenden.

Je stabiler die Selbstachtung beibehalten wird, desto erfolgreicher wird sich der Jugendliche mit konflikthaft erlebten Entwicklungsthemen auseinandersetzen können.

Da die Pubertät generell eine Zeit großer Instabilität ist, benötigt die Behandlung der Adoleszentenkrise eine ausreichende Termindichte der einzelnen therapeutischen Sitzungen, damit die Bewältigungsstrategien so eingeübt werden können, dass sie verfügbares Repertoire werden und der Jugendliche auf der Grundlage dieser Stärkungen seine schwierigen und sehr unterschiedlichen Fragestellungen und Konfliktbereiche bearbeiten kann.

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