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Behandlung von Persönlichkeitsstörungen


Lange Zeit galten Menschen mit Persönlichkeitsstörungen als unbehandelbar. Da sehr schwere Traumatisierungen, gepaart mit genetischen Veranlagungen und einer oft für die Eltern kaum zu bändigenden Kraft bei solchen Menschen häufig zusammentreffen, ist eine ausgeprägte postpubertäre Persönlichkeitsstörung nicht umkehrbar. D.h. der/die Betroffene wird sich ein Leben lang mit einer solchen Störung auseinandersetzen müssen. Genau hier kann der Nutzen von Psychotherapie liegen. Das Wichtigste ist es, zunächst eine tragfähige Beziehung aufzubauen. Das kann sehr lange dauern, weil Menschen mit Persönlichkeitsstörungen in der Regel zum einen eine gestörte ursprüngliche Bindung haben und im späteren Leben oft sehr viel Unglück in ihren Beziehungen zu anderen Menschen erlebt haben. Bis eine solche Beziehung wirklich tragfähig und auch belastungsfähig ist, kann leicht ein Jahr wöchentliche Therapie verstreichen.
Je nach dem an welcher Persönlichkeitsstörung jemand leidet, und ob noch andere Störungen hinzugekommen sind, wie z.B. starke Ängste oder Depressionen wird die Therapie manchmal eher verhaltensorientiert und rational orientiert sein, ganz wichtig ist es jedoch, die Gefühlswelt immer wieder im Blick zu haben und mit dem Klienten zu bearbeiten. Da man häufig starke Gefühlsabspaltungen mit gelegentlichen heftigen Ausbrüchen findet (die ja bis zu Gewalttaten führen können) ist es dringend notwendig, hier in der Therapie einen Fokus zu setzen.
Ein weiteres Manko, das wir häufig finden, ist eine weitgehende Empathielosigkeit. Auch die kann sehr gefährlich werden, da der Betroffene sich nicht oder fast gar nicht in ein mögliches Opfer hereinversetzen kann und seine Gewalt dann keine Grenze findet (je nach Art und Schweregrad der Störung). Ist die Bindung an den Therapeuten/ die Therapeutin jedoch stark genug, können auch im Bereich der Empathie große Fortschritte eintreten. Der Klient kann lernen, sich selbst und seine Gefühle besser wahrzunehmen und zu kontrollieren und die Gefühle und möglichen Beeinträchtigungen eines Gegenübers in die eigene Reaktion mit einzubeziehen. Im gegenteiligen Fall, dass durch eine Persönlichkeitsstörung die Gefühle soweit kontrolliert werden, dass sie nach außen nicht mehr ausgelebt werden können, führt dies oft zu sehr qualvollen autoaggressiven Verhaltensweisen (z.B. das selbstverletzende Verhalten bei Borderline Störungen). Hier kann eine neue Beachtung der persönlichen Gefühle dazu führen, sich selber anders wahrzunehmen und die Gefühle der Umwelt auch wieder zu zeigen.
Wie oben angedeutet wird der therapeutische Prozess immer langfristig gedacht werden müssen, von einer schnellen Heilung in den kassenüblichen 30 Stunden ist nicht auszugehen. Eher wird die Therapie langfristig angelegt sein müssen, vielleicht zwischenzeitlich mit großen Abständen oder sogar Therapiepausen. Solange der Klient dieses wünscht und das Verhältnis nicht zerrüttet ist, sollte der Klient auf den Therapeuten zurückgreifen können, weil diese Beziehung wie oben ausgeführt oft die erste tragende Beziehung im Leben des Klienten ist.

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