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Selbstentwicklungsgruppe: Das Leben genießen


Viele Menschen glauben, dass es, um das Leben genießen zu können bestimmte Vorbedingungen gibt. Wenn man z.B. Geld, eine glückliche Beziehung, Kinder, ein Haus, Gesundheit, ein tolles Auto etc. besitzt, dann erst könne man das Leben genießen. Dann stellt sich der Genuss von selber ein, wenn alles in unserem Leben schön und perfekt ist. Oft ist man dann sehr enttäuscht, wenn gerade dies nicht passiert, wenn der Genuss sich einfach nicht von allein einstellt. Als Frage stellt sich auch, ob es auch etwas zu Genießen gibt, wenn nicht alles perfekt ist, wenn man arm oder krank ist, wenn man keine Arbeit hat oder keine Familie oder noch nicht einmal eine Beziehung.

Richtet man seinen Blick auf die Qualitäten von Genuss, so merkt man, dass es verschiedene, aufeinander aufbauende Stufen gibt, wenn man etwas genießen will: Zunächst muss man etwas als Wert erkennen, den man genießen will (nehmen wir zu Beispiel einen Sonnenuntergang). Man muss diesen Wert als genussfähig für sich selbst empfinden und man muss genießen wollen, d. h. sich z.B. die Zeit dafür nehmen.
Darauf folgt der Schritt, sich diesem Wert hinzugeben, zu überlassen und dem Wert zu "dienen" bzw. ihm zu entsprechen. Das wird verständlich, wenn man zwei Genussobjekte vergleicht, z.B. wieder den Sonnenuntergang und ein selbstgebasteltes Geschenk eines Kindes. Beiden wird man im Genuss auf unterschiedliche Weise gerecht. Beim ersten gibt man sich der Naturschönheit hin, genießt die Farben, die Wärme, die Weite und Ruhe, die vom Sonnenuntergang ausgehen. Beim Kindergeschenk bestaunt und befühlt man das Geschaffene, sucht eventuell gemeinsam einen angemessenen Namen dafür, würdigt den Geschenkcharakter und das Liebesangebot, das das Kind mit dem Geschenk macht. Man kann den jeweiligen Wert immer nur so weit genießen, wie man bereit ist, sich nach ihm zu richten.
Dann kann man erleben, wie der Wert einen öffnet und hebt, wie Freude, Ruhe und Glück sich ereignen. Es entsteht ein kreativer Raum für weitergehende Wünsche und neue Ideen.

Genuss ist möglich:
  1. bei Gegenständen (Naturgenuss ist hier inbegriffen)
  2. als Genuss im Gemeinsamkeitsraum mit anderen (z.B. dem Partner, Kindern)
  3. als "sich selbst genießen"

Dabei erscheint uns im Allgemeinen ein gegenständlich erlebter Genuss leichter und weniger bedrohlich, ein "Gemeinsamkeitsgenuss" schon als bedrohlicher, aber sich selbst zu genießen ist bis heute stark tabuisiert, gilt als peinlich und egoistisch.

In der Gruppenarbeit geht es vor allem um diesen letzten Punkt, des sich selbst genießens, und zwar genau an den Stellen, an denen es mir zunächst unmöglich erscheint. Aber auch die Punkte, an denen ich mit mir zufrieden bin, kann ich noch tiefer genießen lernen. Die eigene Verantwortung dafür, mit dem Genuss anzufangen, wird in der Gruppe gestärkt. Das Motto der Genussgruppen könnte lauten:

Von der Lebensbewältigung zum Lebensgenuss!

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